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Projekte

Editionsportal Thüringen


WORKSHOP ZUM THEMA EDITIONSPORTALE

Am 3. und 4. August 2017 fand in den historischen Rosensälen (Fürstengraben 27) der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Workshop zum Thema "Editionsportale" statt. Neben den Projektbeteiligten referierten einschlägige externe ExpertInnen aus den Bereichen Digitale Editionen, Onlineportale und virtuelle Infrastrukturen. MitarbeiterInnen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Digitalen Akademie der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz, dem Cologne Center for eHumanities, dem Deutschen Textarchiv, dem TextGrid- sowie dem AdFontes/READ-Projekt berichteten aus ihren Erfahrungen beim Aufbau und dem Betrieb von editorischen Onlineportalen.

>>>Workshopbericht<<<

>>>Visuelle Eindrücke des Workshops<<<

Präsentation "Das Editionsportal Thüringen - Idee, Ziele, Herausforderungen"



Ziel des von der Thüringer Staatskanzlei geförderten Projektes ist die Entwicklung eines uneingeschränkt zugänglichen Onlineportals (open access) zur transdisziplinären Erstellung, Publikation und Erforschung digitaler wissenschaftlicher Editionen von vorrangig handschriftlichen Quellen mit Bezug zu Thüringen und dessen Geschichte (thematisch, quellenkundlich, personell, geographisch, institutionell, sammlungsbezogen, editorisch). Das Portal wird dazu beitragen, das reiche kulturelle Texterbe Thüringens überregional sichtbarer, tiefer erforschbar und dessen Aufbereitung attraktiver zu machen. Dadurch wird es einerseits zur nationalen und internationalen Anschlussfähigkeit Thüringer geisteswissenschaftlicher Forschung beitragen, da digitale Editionen neue Forschungs- und damit Erkenntnismöglichkeiten generieren. Zudem wird das Portal an der Identifikationsstiftung des Freistaates mitwirken.

Konzept

Die Onlineplattform wird zunächst der Präsentation abgeschlossener bzw. in Arbeit befindlicher Editionen handschriftlicher Quellen dienen und mittelfristig zu einer Recherche- und Editionsforschungsumgebung im Rahmen des UrMEL-Frameworks der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) ausgebaut werden. Damit wird eine digital-kulturelle Infrastruktur geschaffen, die Editionen historischen Quellenmaterials aus den Beständen verschiedener Einrichtungen (Bibliotheken, Archive, Museen, Forschungseinrichtungen, Vereine) auf einheitlich hohem wissenschaftlichem Niveau bereitstellt, gebündelt präsentiert und gemeinsam erforschbar macht.

Durch die Einbindung des Portals in die bereits bestehende Onlineplattform "Digitales Thüringen" werden die Editionen mit dem bereits digitalisierten Kulturerbe Thüringens verknüpft. So entsteht ein überregional sichtbares und zugleich thüringenbezogenes Netzwerk von miteinander verbundenen, wissenschaftlich erschlossenen Objekten und Dokumenten.

Um die Editionen und deren Deutungszusammenhänge auch über den Thüringenbezug hinaus erforschbar zu machen, wird ein Fokus auf der Bereitstellung von Datenschnittstellen, der Verwendung offener und etablierter Datenformate und der Nachnutzung bereits existierender Open-Source-Software liegen. Ein weiterer zentraler Aspekt wird die Langzeitverfügbarkeit der im Portal dargebotenen Informationen darstellen.

Die für das Jahr 2017 angesetzten Arbeitsschritte sind folgende:

  • Veranstaltung eines Workshops zum Thema editorische Onlineportale
  • Konzeption der Darstellung und Funktionalitäten des Portals unter Beachtung der Ansprüche verschiedener Disziplinen und Nutzungsszenarien
  • Prüfung der Nachnutzbarkeit bereits bestehender Software bzw. deren Anpassungsmöglichkeiten im Rahmen des MyCore-Frameworks
  • Anpassung bereits existierender ThULB-Strukturen
  • Formulierung eines Lasten- und Pflichtenheftes für die Portalprogrammierung 2018
  • Entwicklung eines ThULB-kompatiblen und TEI/P5-konformen XML-Tagsets auf Grundlage heterogenen Quellenmaterials
  • ausführliche und geisteswissenschaftlich adäquate Dokumentation der XML-Auszeichnungs- und HTML-Darstellungsprinzipien
  • Anpassung bereits bestehender Editionen als Testmaterial zur Überführung in das Portal
  • Konzeption eines Paläographietools

Zielgruppen/Nutzungsszenarien

Das Zielpublikum des Portals ist auf der einen Seite die akademische Gemeinschaft. Wissenschaftlichen Editionsprojekten, die (meist aus finanziellen Erwägungen) kein eigenes Portal aufsetzen können, wird mit dem beantragten Onlineportal eine Plattform angeboten, ihre Editionen öffentlich sichtbar und für die Forschung zugänglich zu machen. Durch die Bereitstellung dieser Publikationsmöglichkeit wird auch zu neuen Editionen angeregt, da die Frage der (meist kostenintensiven) Publikation der Editionsergebnisse keinen Hinderungsgrund mehr für den Beginn eines Editionsprojektes darstellt.

Während bereits zahlreiche digitale Analysemethoden und -tools bereitstehen, fehlt es den Digital Humanities (DH) noch an adäquatem Quellenmaterial, an dem diese Methoden getestet und weiterentwickelt werden können. Das Thüringer Editionsportal begegnet diesem Desiderat, indem es Textquellen auf hohem wissenschaftlichem Niveau und in Form nachnutzbarer Daten (open data) bereitstellt, die für anschließende forschungsspezifische Fragestellungen und für die Analyse mit speziellen DH-Tools weiterverarbeitet werden können. Auf Grundlage sauberer und ausführlich dokumentierter Forschungsdaten kann ein zentrales Ziel der DH realisiert werden, nämlich die Verknüpfung von Textkorpora bis auf die Ebene einzelner Wörter und Zeichen. Daraus entsteht ein semantisches Netz an Informationen, die im Forschungsprozess zu gänzlich neuen Erkenntnissen führen, da sie Beziehungen aufdecken, die vorher nicht ersichtlich waren. Diese neuen Deutungszusammenhänge werden im Editionsportal nur scheinbar durch den Thüringenbezug begrenzt. Aufgrund der Offenheit der Daten und der Verwendung standardisierter Datenformate treten sie in Beziehung zu den Daten der Portale und Korpora, die sich dieser Standards ebenfalls bedienen.

Ferner bietet das Editionsportal eine Forschungsplattform für Fachwissenschaftler der thüringischen Regional- und Landesgeschichte, um konstituierende Texte der reichen Thüringer Vergangenheit über die Grenzen der einzelnen Disziplinen, Repositorien, Textgattungen, Regionen, Themen und Epochen hinweg zusammenzuführen, zusammenzudenken und in ihrem vorher unbeachteten Kontext zu untersuchen. Daraus entstehen Synergien, die dabei helfen, die thüringische Historie in ihren Verknüpfungen neu zu konturieren und damit der Frage nachzugehen, was thüringische Geschichte insgesamt, also über ihre einzelnen historischen Herrschaftsgebiete und Epochen hinaus, ausmacht. Verbindungen, Kontinuitäten und Brüche werden dadurch geschärft. Die Zusammenführung bisher verstreut liegender Onlineeditionen und die dadurch einhergehende größere Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit dieser wird die Erforschung thüringischer Geschichte attraktiver machen.

Als weiterer Wissenschaftszweig werden mit der Entwicklung eines Editionsportals die Editionswissenschaften tangiert. Diese treiben den digitalen Wandel innerhalb der Geisteswissenschaften besonders intensiv voran, da das digitale Medium Grenzen gedruckter Editionen überwindet. Das Portal trägt dazu bei, digitale Editionsmethoden zu etablieren, weiterzuentwickeln und zu erproben. Dies betrifft sowohl den Forschungsprozess, d.h. die Erstellung von Editionen in all ihren Bestandteilen, als auch die Präsentation der Forschungsergebnisse. Zugleich wird das Editionsportal Impulse in die Editionswissenschaften liefern, wie mit so spezifischen Determinaten wie der Gattung "Handschriften" und einer geographisch, zeitlich, kulturell und politisch definierten Sphäre "Thüringen" umgegangen werden kann. Durch die Formulierung mehrstufiger Transkriptions- und Auszeichnungsrichtlinien von basalen Grundtranskriptionen bis hin zu detaillierten, sprach- und geschichtswissenschaftlich annotierten Aufbereitungen positioniert sich das Portal ferner innerhalb des theoretischen editionswissenschaftlichen Fachdiskurses verschiedener editorischer Schulen und Disziplinen.

Adressiert ist das Portal zudem an LehrerInnen und Bildungseinrichtungen, denen das Editionsportal Quellentexte für die didaktische Nutzung zur Verfügung stellt. Für das Kennenlernen des Thüringer handschriftlichen Erbes und des dafür notwendigen Erlernens altdeutscher Schrift ist die Einrichtung eines gesonderten Zugangs (insbesondere für SchülerInnen) vorgesehen. Dort werden paläographische Kenntnisse durch die Bereitstellung von Beispieldokumenten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und durch die automatische Korrektur von Transkriptionseingaben vermittelt. Durch die Implementierung eines Paläographietools und einer beispielreichen Dokumentation der Transkriptions- und Auszeichnungsprinzipien werden SchülerInnen und Studierende zudem an die editionswissenschaftliche Erstellung kritischer wissenschaftlicher Editionen in Theorie und Praxis herangeführt.

Da das Portal öffentlich zugänglich sein wird, ist auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, das Angebot zu nutzen und die landesidentitätsstiftenden Handschriften Thüringer Geschichte in aufbereiteter Form kennenzulernen. Archiven, Bibliotheken, Museen, Gedenkstätten sowie landesgeschichtlich interessierten Vereinen wird es ermöglicht, eigenes ediertes und digitalisiertes Material einzubringen.

Projektausführende

Projektpartner

Automatische Handschriftenerkennung

"ps: ich bitt noch mahl umb ver gebung meines confusen und üblen schreibens wegen" - Frühneuzeitliche Briefe als Herausforderung automatischer Handschriftenerkennung

Das Vorhaben des auf zunächst 2 ½ Monate angelegten Projektes umfasst die Anwendung der automatischen Transkriptionssoftware Transkribus (gefördert im Rahmen des e-Infrastruktur-Projektes READ - Recognition and Enrichment of Archival Documents) auf die Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf (1670-1732) aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Die Briefe stellen mit ihrem selbst für frühneuzeitliche Verhältnisse geringen Normierungsgrad und ihrer oft unkonventionellen Orthographie eine besondere Herausforderung für die computerbasierte Erkennung dar. Gerade deshalb eignen sie sich in besonderer Weise für das Austesten der Grenzen und der Evaluation des derzeitigen Standes der Transkribus-Software. Das Projekt wird dabei allerdings nicht allein das maschinelle Ergebnis, sprich die Character Error Rate (CER), sondern den gesamten Workflow dokumentieren und bewerten, um eine Orientierungsbeispiel für ähnliche Projekte und deren Planungen anzubieten und zur Weiterentwicklung der Software beizutragen.

Die Grounded-Truth-Daten bilden die im Rahmen der "Edition der Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf" am Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte erstellten diplomatischen Transkriptionen der Briefe der Gräfin an Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz (1681-1748). Sie umfassen ca. 250 Seiten. Auf Grundlage dieser Trainingsdaten sollen im Anschluss 500 weitere Seiten an Briefmaterial der frühneuzeitlichen Schreiberin automatisch transkribiert werden.
 
Projektausführende:

Martin Prell, M.A. (Leitung)

Annemarie Müller, M.A.

Carolin Weißer, B.A.


Beispielseite eines Briefes (Quelle: Landesarchiv Thüringen - Staatsarchiv Greiz, Paragiatsherrschaft Köstritz, Ab IV 15, fol. 56r. Alle Rechte vorbehalten)

PK15-13


Digitale Edition der Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf

Das Projekt besteht in der digitalen Edition der Korrespondenz Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf (1670-1732). Es verfolgt das Ziel, die Handlungsfelder einer kleinstaatlichen Regentin um 1700 im Spiegel digitalisierter Quellen nachvollziehbar zu machen. Im landesgeschichtlichen und erinnerungspolitischen Kontext zielt es auf die Sichtbarmachung der historischen Vielfalt Thüringens (männlich, ernestinisch, lutherisch-orthodox und weiblich, reußisch, pietistisch).

Eine pietistische Regentin des frühen 18. Jahrhunderts

Porträt der Erdmuthe Benigna

Porträt der Erdmuthe Benigna
© Bildarchiv Foto Marburg

Erdmuthe Benigna von Reuß-Ebersdorf (1670-1732), geb. von Solms-Laubach, übernahm nach dem Tod ihres Mannes im Juli 1711 die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Heinrich XXIX. von Reuß-Ebersdorf (1699-1747). Die Vormundschaft übte sie gemeinsam mit Heinrich XXIV. von Reuß-Schleiz zu Köstritz (1681-1748) und ihrem jüngeren Bruder Karl Otto von Solms-Laubach zu Utphe (1673-1742) aus. Ihre Tätigkeit als Regentin wurde bislang nicht systematisch untersucht.

Eine gewisse Bekanntheit erlangte sie hingegen im pietistischen Kontext. Wie ihre Mutter Benigna von Solms-Laubach, geb. von Promnitz (1648-1702) gilt Erdmuthe Benigna als entschiedene Anhängerin des Pietismus.

Während ihrer Regentschaft versammelte sie am Ebersdorfer Hof einen pietistischen Zirkel und legte durch ihr kirchenpolitisches Engagement den Grundstein für die langfristige Hinwendung der Grafschaft Reuß-Ebersdorf zur Herrnhuter Brüdergemeine. Ausdruck dieser Verbindung war die Eheschließung zwischen ihrer Tochter Erdmuthe Dorothea (1700-1756) und dem Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760).

Die Briefe

Aus der Zeit der Regent- und Witwenschaft Erdmuthe Benignas haben sich im Thüringer Staatsarchiv Greiz und im Unitätsarchiv Herrnhut rund 170 Briefe von ihrer Hand erhalten. Empfänger der Briefe waren Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz und dessen Frau Eleonore, geb. von Promnitz (1688-1776) sowie die Tochter Erdmuthe Dorothea und deren Mann. Weitere Briefe Erdmuthe Benignas liegen wahrscheinlich im Gräflichen Archiv Solms-Laubach.

Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive sind es vor allem drei Forschungskomplexe, für welche die Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf Relevanz beanspruchen können. Der eine berührt die Ausgestaltung weiblicher Regentschaft und damit das Problemfeld der Herrschaftspartizipation fürstlicher Frauen, der andere nimmt mit der pietistischen Frömmigkeit Erdmuthe Benignas Bezug auf die Diskussion um Religion als weiblichen Handlungsraum. Daneben interessiert die Korrespondenz als Produkt der kulturellen Praxis des Briefschreibens.

Die Edition

Das Editionsprojekt basiert im Kern auf einem Quellenbestand, der zwischen 1995-1998 in einem von Prof. Dr. Heide Wunder geleiteten und von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojekt "Konfession, Religiosität und politisches Handeln von Frauen vom ausgehenden 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts" an der Universität Kassel zusammengestellt und teilweise transkribiert wurde.

Dieses Quellenkonvolut wird nun ergänzt, vollständig transkribiert und kommentiert. Scans der Originaldokumente, Transkriptionen und Kommentar werden dann in einer digitalen Edition veröffentlicht.

Digital Humanities

Das Editionsprojekt ist eingebunden in Initiativen zur Stärkung der Digital Humanities an der Friedrich-Schiller-Universität (DHnet Jena) und innerhalb Thüringens. In Kooperation mit der Forschungsbibliothek Gotha und dem Netzwerk für digitale Geisteswissenschaften an der Universität Erfurt veranstaltete das Projekt im November 2015 einen Workshop zum Thema "Virtuelle Infrastrukturen für digitale Editionen. Entwicklungen, Perspektiven und Projekte" (→ Tagungsprogramm).


>>> ZUR EDITION <<<


Projektleitung: Dr. Julia A. Schmidt-Funke

Projektmitarbeiter: Martin Prell, M.A.

Religion und Männlichkeit in der Moderne

Die "Feminisierung" von Religion, Religiosität und Kirche(n) in der Moderne galt lange als Masternarrativ der Kultur- und Sozialgeschichte der Religion. Die "Feminisierungsthese" trug maßgeblich dazu bei, dieses Forschungsfeld für die Geschlechtergeschichte zu erschließen. Die Konzentration auf Frauen führte aber dazu, dass Männer als religiöse Subjekte in einer vermeintlich zunehmend säkularisierten Welt kaum noch wahrgenommen wurden. Jedoch belegen neuere Arbeiten, dass die Feminisierung keineswegs Männer von religiösen Aktivitäten ausschloss und dass Religion einen wichtigen Faktor für männliche Identität und Rollenmodelle in der Moderne bildete. Dieser Perspektivenwechsel hin zur religiösen Männlichkeit ist erst in Ansätzen bearbeitet. Komparative und konfessionsübergreifende Aspekte wurden bislang kaum thematisiert.

Eine Bestandsaufnahme der internationalen Forschungen zum Thema nahm die von der DFG geförderte Tagung "Religion und Männlichkeit in der Moderne. Neue interdisziplinäre und transnationale Forschungsperspektiven (18. bis frühes 20. Jahrhundert)" (14.-16.09.2011, Friedrich-Schiller-Universität Jena) vor. Ihr Ziel war es, im Kreise internationaler ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen konfessionelle und nationale Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten sowie transnationalen Zusammenhängen nachzugehen. Sie verfolgte dabei eine innovative, konsequent konfessionsübergreifende, Katholizismus, Protestantismus und Judentum einbeziehende Perspektive. Gefragt wurde etwa nach dem Zusammenhang zwischen konfessioneller und nationaler Identität, religiösen Männlichkeitskonstruktionen und Rollenbildern, nach männlicher Frömmigkeit sowie nach Bemühungen um die (Re-)Maskulinisierung einer vermeintlich zu sehr feminisierten Kirche und Religion ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Tagung sollte dazu beitragen, neue länderübergreifende Forschungsansätze zu entwickeln und die vielfältigen Bedeutungen von Religion und Religiosität bei der Konstituierung moderner Männlichkeiten neu zu bestimmen. → Tagungsprogramm

Kontakt: Prof. Dr. Gisela Mettele

Biographie und Geschlecht

Für die Untersuchung des komplexen Zusammenspiels von dispositiven Faktoren und individuellen Handlungsspielräumen, die sowohl die Konstruktion von Geschlechteridentitäten bedingen als auch die Wahrnehmungs- und Handlungsweisen von Frauen und Männern bestimmen, ist die biographische Analyse ein besonders geeignetes Werkzeug. Obwohl die Überlegungen zu einer "neuen Biographik" (Bödeker) parallel zur programmatischen Entwicklung der Geschlechtergeschichte verliefen und Überschneidungen der jeweiligen Ansätze bestehen, gibt es bisher nur wenige reflektierte konzeptionelle Ansätze, die den Einstieg in diesen Forschungskomplex erleichtern können (z.B. Dausien).

Um den Austausch über Chancen und Grenzen, Probleme und Lösungen des Forschungsfeldes Biographie und Geschlecht zu ermöglichen, hat sich 2011 aus dem interdisziplinären Workshop Biographie und Geschlecht in Jena ein Arbeitskreis von Doktorand_innen u. a. aus den Fachbereichen Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaft und Soziologie gegründet. Bei regelmäßigen Workshops werden neben der Diskussion von aktuellen Arbeitsthemen der einzelnen Mitglieder verschiedene Teilaspekte des Forschungskomplexes und methodische Fragen des biographischen Ansatzes diskutiert.

Kontakt: Silke Meinhardt, M.A.

Interdisziplinäre Workshops des Arbeitskreises Biographie und Geschlecht

7. Workshop
Öffentlicher Workshop am Forschungszentrum Musik und Gender der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
09.-10.06.2017 →CfPProgramm
Arbeitsschwerpunkt: Biographie − Geschlecht − Mobilität
Leitung: Maren Bagge, Viola Herbst
6. Workshop
Öffentlicher Workshop an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
07.-08.07.2016 →CfPProgramm
Arbeitsschwerpunkt: Biographie und künstlerische Praxis
Leitung: Anke Blümm, Angelika Silberbauer, Udo Dengel, Annette Hermann
5. Workshop
Öffentlicher Workshop an der Fakultät für Erziehungswissenschaft in Zusammenarbeit mit dem Nordost-Institut/Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (IKGN e.V.) an der Universität Hamburg
17.-18.04.2015 →CfP
Arbeitsschwerpunkt: Biographie und Geschlecht aus intersektionaler Perspektive
Leitung: Anja Wilhelmi, Susanne Benzel
4. Workshop Öffentlicher Workshop an der Hochschule für Musik und Tanz Köln
04.-05.04.2014 →CfP
Arbeitsschwerpunkt: thematisch offen für laufende Projekte im Forschungsfeld Biographie und Geschlecht
Leitung: Gesa Finke, Carola Bebermeier
3. Workshop Interner Workshop am Nordost-Institut/Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (IKGN e.V.) an der Universität Hamburg in Lüneburg
02.-03.03.2013 →Programm
Arbeitsschwerpunkte: Lücken in Biographien, Methodische Zugänge zu Kollektivbiographien
Leitung: Anja Wilhelmi
2. Workshop Interner Workshop am Institut für Musik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
02.-03.03.2012
Arbeitsschwerpunkte: Biographik zwischen Historiographie und Literatur, Narrativität in der Biographik, Männlichkeitsforschung und Biographik
Leitung: Carola Bebermeier, Gesa Finke
1. Workshop Öffentlicher Workshop und Gründungsveranstaltung des Arbeitskreises am Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte am Historischen Institut an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
04.07.2011 →Tagungsbericht HSK, Tagungsbericht Salon 21
Arbeitsschwerpunkt: thematisch offen für laufende Projekte im Forschungsfeld Biographie und Geschlecht
Leitung: Silke Meinhardt, Ole Fischer

Materielle Kultur und Konsum im Europa der Frühen Neuzeit

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Wissenschaftliche Netzwerk "Materielle Kultur und Konsum im Europa der Frühen Neuzeit. Objekte - Zirkulationen - Aneigungen" führt unter den Begriffen "Materielle Kultur" und "Konsum" unterschiedliche Forschungstraditionen und -ansätze zusammen, deren Fluchtpunkt der Umgang mit den Dingen ist. "Materielle Kultur" markiert dabei sowohl eine vom Objekt ausgehende Perspektive als auch den theoretischen Zugriff, Dinge als historisch wandelbare Bedeutungsträger zu verstehen. "Konsum" verweist dagegen stärker auf kommerzielle Aspekte und lässt sich als eine Sichtweise verstehen, die mit dem konsumierenden Menschen die Praktiken des Erwerbens, Gebrauchens und Verbrauches in den Mittelpunkt stellt. → Homepage

Kontakt: Dr. Julia A. Schmidt-Funke