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Digitale Edition der Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf

Das Projekt besteht in der digitalen Edition der Korrespondenz Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf (1670-1732). Es verfolgt das Ziel, die Handlungsfelder einer kleinstaatlichen Regentin um 1700 im Spiegel digitalisierter Quellen nachvollziehbar zu machen. Im landesgeschichtlichen und erinnerungspolitischen Kontext zielt es auf die Sichtbarmachung der historischen Vielfalt Thüringens (männlich, ernestinisch, lutherisch-orthodox und weiblich, reußisch, pietistisch).

Eine pietistische Regentin des frühen 18. Jahrhunderts

Porträt der Erdmuthe Benigna

Porträt der Erdmuthe Benigna
© Bildarchiv Foto Marburg

Erdmuthe Benigna von Reuß-Ebersdorf (1670-1732), geb. von Solms-Laubach, übernahm nach dem Tod ihres Mannes im Juli 1711 die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Heinrich XXIX. von Reuß-Ebersdorf (1699-1747). Die Vormundschaft übte sie gemeinsam mit Heinrich XXIV. von Reuß-Schleiz zu Köstritz (1681-1748) und ihrem jüngeren Bruder Karl Otto von Solms-Laubach zu Utphe (1673-1742) aus. Ihre Tätigkeit als Regentin wurde bislang nicht systematisch untersucht.

Eine gewisse Bekanntheit erlangte sie hingegen im pietistischen Kontext. Wie ihre Mutter Benigna von Solms-Laubach, geb. von Promnitz (1648-1702) gilt Erdmuthe Benigna als entschiedene Anhängerin des Pietismus.

Während ihrer Regentschaft versammelte sie am Ebersdorfer Hof einen pietistischen Zirkel und legte durch ihr kirchenpolitisches Engagement den Grundstein für die langfristige Hinwendung der Grafschaft Reuß-Ebersdorf zur Herrnhuter Brüdergemeine. Ausdruck dieser Verbindung war die Eheschließung zwischen ihrer Tochter Erdmuthe Dorothea (1700-1756) und dem Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760).

Die Briefe

Aus der Zeit der Regent- und Witwenschaft Erdmuthe Benignas haben sich im Thüringer Staatsarchiv Greiz und im Unitätsarchiv Herrnhut rund 170 Briefe von ihrer Hand erhalten. Empfänger der Briefe waren Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz und dessen Frau Eleonore, geb. von Promnitz (1688-1776) sowie die Tochter Erdmuthe Dorothea und deren Mann. Weitere Briefe Erdmuthe Benignas liegen wahrscheinlich im Gräflichen Archiv Solms-Laubach.

Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive sind es vor allem drei Forschungskomplexe, für welche die Briefe Erdmuthe Benignas von Reuß-Ebersdorf Relevanz beanspruchen können. Der eine berührt die Ausgestaltung weiblicher Regentschaft und damit das Problemfeld der Herrschaftspartizipation fürstlicher Frauen, der andere nimmt mit der pietistischen Frömmigkeit Erdmuthe Benignas Bezug auf die Diskussion um Religion als weiblichen Handlungsraum. Daneben interessiert die Korrespondenz als Produkt der kulturellen Praxis des Briefschreibens.

Die Edition

Das Editionsprojekt basiert im Kern auf einem Quellenbestand, der zwischen 1995-1998 in einem von Prof. Dr. Heide Wunder geleiteten und von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojekt "Konfession, Religiosität und politisches Handeln von Frauen vom ausgehenden 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts" an der Universität Kassel zusammengestellt und teilweise transkribiert wurde.

Dieses Quellenkonvolut wird nun ergänzt, vollständig transkribiert und kommentiert. Scans der Originaldokumente, Transkriptionen und Kommentar werden dann in einer digitalen Edition veröffentlicht.

Digital Humanities

Das Editionsprojekt ist eingebunden in Initiativen zur Stärkung der Digital Humanities an der Friedrich-Schiller-Universität (DHnet Jena) und innerhalb Thüringens. In Kooperation mit der Forschungsbibliothek Gotha und dem Netzwerk für digitale Geisteswissenschaften an der Universität Erfurt veranstaltete das Projekt im November 2015 einen Workshop zum Thema "Virtuelle Infrastrukturen für digitale Editionen. Entwicklungen, Perspektiven und Projekte" (→ Tagungsprogramm).


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Projektleitung: Dr. Julia A. Schmidt-Funke

Projektmitarbeiter: Martin Prell, M.A.