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Editionsportal Thüringen

URL: http://www.histinst.uni-jena.de/Bereiche/Geschlechtergeschichte/Projekte/Editionsportal+Th%C3%BCringen+.html

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Aktuelles


>>Poster<< und Beitrag im >>Book of Abstracts<< (S. 282-284) auf der DHd 2019 in Mainz/Frankfurt



>>Poster<< in der Sektion "Digitale Geschichtswissenschaft" auf dem 52. Historikertag in Münster (09/2018)



>>Poster<< auf dem DH-Thementag in Jena (11/2017) [H-Soz-Kult-Bericht]



WORKSHOP ZUM THEMA EDITIONSPORTALE

Am 3. und 4. August 2017 fand in den historischen Rosensälen (Fürstengraben 27) der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Workshop zum Thema "Editionsportale" statt. Neben den Projektbeteiligten referierten einschlägige externe ExpertInnen aus den Bereichen Digitale Editionen, Onlineportale und virtuelle Infrastrukturen. MitarbeiterInnen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Digitalen Akademie der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz, dem Cologne Center for eHumanities, dem Deutschen Textarchiv, dem TextGrid- sowie dem AdFontes/READ-Projekt berichteten aus ihren Erfahrungen beim Aufbau und dem Betrieb von editorischen Onlineportalen.

>>Workshopbericht<<

>>Visuelle Eindrücke des Workshops<<

Präsentation "Das Editionsportal Thüringen - Idee, Ziele, Herausforderungen"



Projektziel

Ziel des von der Thüringer Staatskanzlei geförderten Projektes ist die Entwicklung eines uneingeschränkt zugänglichen Onlineportals (open access) zur transdisziplinären Erstellung, Publikation und Erforschung digitaler wissenschaftlicher Editionen von vorrangig handschriftlichen Quellen mit Bezug zu Thüringen und dessen Geschichte (thematisch, quellenkundlich, personell, geographisch, institutionell, sammlungsbezogen, editorisch). Das Portal wird dazu beitragen, das reiche kulturelle Texterbe Thüringens überregional sichtbarer, tiefer erforschbar und dessen Aufbereitung attraktiver zu machen. Dadurch wird es einerseits zur nationalen und internationalen Anschlussfähigkeit Thüringer geisteswissenschaftlicher Forschung beitragen, da digitale Editionen neue Forschungs- und damit Erkenntnismöglichkeiten generieren. Zudem wird das Portal an der Identifikationsstiftung des Freistaates mitwirken.

Konzept

Die Onlineplattform wird zunächst der Präsentation abgeschlossener bzw. in Arbeit befindlicher Editionen handschriftlicher Quellen dienen und mittelfristig zu einer Recherche- und Editionsforschungsumgebung im Rahmen des UrMEL-Frameworks der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) ausgebaut werden. Damit wird eine digital-kulturelle Infrastruktur geschaffen, die Editionen historischen Quellenmaterials aus den Beständen verschiedener Einrichtungen (Bibliotheken, Archive, Museen, Forschungseinrichtungen, Vereine) auf einheitlich hohem wissenschaftlichem Niveau bereitstellt, gebündelt präsentiert und gemeinsam erforschbar macht.

Durch die Einbindung des Portals in die bereits bestehende Onlineplattform "Kultur- und Wissensportal Thüringens" werden die Editionen mit dem bereits digitalisierten 2D- und 3D-Kulturerbe aus über 100 Museen, Bibliotheken und Archiven in Thüringen und darüber hinaus verknüpft. So entsteht ein überregional sichtbares und zugleich thüringenbezogenes Netzwerk von miteinander verbundenen, wissenschaftlich erschlossenen Objekten und Dokumenten.

Um die Editionen und deren Deutungszusammenhänge auch über den Thüringenbezug hinaus erforschbar zu machen, wird ein Fokus auf der Bereitstellung von Datenschnittstellen, der Verwendung offener und etablierter Datenformate und der Nachnutzung bereits existierender Open-Source-Software liegen. Ein weiterer zentraler Aspekt wird die Langzeitverfügbarkeit der im Portal dargebotenen Informationen darstellen.

Die im Jahr 2017 erfolgten Arbeitsschritte waren folgende:

  • Veranstaltung eines Workshops zum Thema editorische Onlineportale
  • Konzeption der Darstellung und Funktionalitäten des Portals unter Beachtung der Ansprüche verschiedener Disziplinen und Nutzungsszenarien
  • Prüfung der Nachnutzbarkeit bereits bestehender Software bzw. deren Anpassungsmöglichkeiten im Rahmen des MyCore-Frameworks
  • Anpassung bereits existierender ThULB-Strukturen
  • Formulierung eines Lasten- und Pflichtenheftes für die Portalprogrammierung 2018
  • Entwicklung eines ThULB-kompatiblen und TEI/P5-konformen XML-Tagsets auf Grundlage heterogenen Quellenmaterials (sog. ThULB-Basisformat)
  • ausführliche und geisteswissenschaftlich adäquate Dokumentation der XML-Auszeichnungs- und HTML-Darstellungsprinzipien
  • Anpassung bereits bestehender Editionen als Testmaterial zur Überführung in das Portal
  • Konzeption eines Paläographietools

Die für die Jahre 2018/2019 angesetzen Arbeitsschritte sind folgende:

  • Erstellen von Formatvorlagen (Microsoft Word, Open Office Writer, XML) für das Erstellen von Transkriptionen und Paratexten einer Edition
  • Präprozessierung weiterer bereits existierender UrMEL-Editionen zur Einspielung in das Portal
  • Erstellung der Transkriptionen für die eLearning-Umgebung und Einbindung von Transkribus-Learn im Editionsportal
  • Programmierung der Web-Präsentationsoberfläche des Portals (TYPO3) und Anbindung an UrMEL (Schnittstellen etc.)
  • Erstellung der Portaltexte zur Nutzung des Portals, zur Erstellung und Publikation von Editionsprojekten und weiterer Portalinhalte
  • Erstellung weiteren, heterogenen Textmaterials (Auszeichnung nach ThULBBf) insbesondere mit Quellen der Kooperationspartner
  • Prüfung und ggf. Umsetzung der Nachnutzbarkeit der Portaleditionen im "Deutschen Textarchiv"
  • Prüfung des Einsatzes der virtuellen Forschungsumgebung "FuD" und anderer Editionstools innerhalb des Portals
  • Testbetrieb und Bug-Fixing
  • Einsatz des Portals in der Lehre zur Erstellung studentischer Editionen
  • Weitere Bedarfsanalyse und Formulierung von Erweiterungspotentialen
  • Projektabschlusspräsentation und Übergabe des Portals an die ThULB und die Öffentlichkeit

Zielgruppen/Nutzungsszenarien

Das Zielpublikum des Portals ist auf der einen Seite die akademische Gemeinschaft. Wissenschaftlichen Editionsprojekten, die (meist aus finanziellen Erwägungen) kein eigenes Portal aufsetzen können, wird mit dem beantragten Onlineportal eine Plattform angeboten, ihre Editionen öffentlich sichtbar und für die Forschung zugänglich zu machen. Durch die Bereitstellung dieser Publikationsmöglichkeit wird auch zu neuen Editionen angeregt, da die Frage der (meist kostenintensiven) Publikation der Editionsergebnisse keinen Hinderungsgrund mehr für den Beginn eines Editionsprojektes darstellt.

Während bereits zahlreiche digitale Analysemethoden und -tools bereitstehen, fehlt es den Digital Humanities (DH) noch an adäquatem Quellenmaterial, an dem diese Methoden getestet und weiterentwickelt werden können. Das Thüringer Editionsportal begegnet diesem Desiderat, indem es Textquellen auf hohem wissenschaftlichem Niveau und in Form nachnutzbarer Daten (open data) bereitstellt, die für anschließende forschungsspezifische Fragestellungen und für die Analyse mit speziellen DH-Tools weiterverarbeitet werden können. Auf Grundlage sauberer und ausführlich dokumentierter Forschungsdaten kann ein zentrales Ziel der DH realisiert werden, nämlich die Verknüpfung von Textkorpora bis auf die Ebene einzelner Wörter und Zeichen. Daraus entsteht ein semantisches Netz an Informationen, die im Forschungsprozess zu gänzlich neuen Erkenntnissen führen, da sie Beziehungen aufdecken, die vorher nicht ersichtlich waren. Diese neuen Deutungszusammenhänge werden im Editionsportal nur scheinbar durch den Thüringenbezug begrenzt. Aufgrund der Offenheit der Daten und der Verwendung standardisierter Datenformate treten sie in Beziehung zu den Daten der Portale und Korpora, die sich dieser Standards ebenfalls bedienen.

Ferner bietet das Editionsportal eine Forschungsplattform für Fachwissenschaftler der thüringischen Regional- und Landesgeschichte, um konstituierende Texte der reichen Thüringer Vergangenheit über die Grenzen der einzelnen Disziplinen, Repositorien, Textgattungen, Regionen, Themen und Epochen hinweg zusammenzuführen, zusammenzudenken und in ihrem vorher unbeachteten Kontext zu untersuchen. Daraus entstehen Synergien, die dabei helfen, die thüringische Historie in ihren Verknüpfungen neu zu konturieren und damit der Frage nachzugehen, was thüringische Geschichte insgesamt, also über ihre einzelnen historischen Herrschaftsgebiete und Epochen hinaus, ausmacht. Verbindungen, Kontinuitäten und Brüche werden dadurch geschärft. Die Zusammenführung bisher verstreut liegender Onlineeditionen und die dadurch einhergehende größere Sichtbarkeit und Nachnutzbarkeit dieser wird die Erforschung thüringischer Geschichte attraktiver machen.

Als weiterer Wissenschaftszweig werden mit der Entwicklung eines Editionsportals die Editionswissenschaften tangiert. Diese treiben den digitalen Wandel innerhalb der Geisteswissenschaften besonders intensiv voran, da das digitale Medium Grenzen gedruckter Editionen überwindet. Das Portal trägt dazu bei, digitale Editionsmethoden zu etablieren, weiterzuentwickeln und zu erproben. Dies betrifft sowohl den Forschungsprozess, d.h. die Erstellung von Editionen in all ihren Bestandteilen, als auch die Präsentation der Forschungsergebnisse. Zugleich wird das Editionsportal Impulse in die Editionswissenschaften liefern, wie mit so spezifischen Determinaten wie der Gattung "Handschriften" und einer geographisch, zeitlich, kulturell und politisch definierten Sphäre "Thüringen" umgegangen werden kann. Durch die Formulierung mehrstufiger Transkriptions- und Auszeichnungsrichtlinien von basalen Grundtranskriptionen bis hin zu detaillierten, sprach- und geschichtswissenschaftlich annotierten Aufbereitungen positioniert sich das Portal ferner innerhalb des theoretischen editionswissenschaftlichen Fachdiskurses verschiedener editorischer Schulen und Disziplinen.

Adressiert ist das Portal zudem an LehrerInnen und Bildungseinrichtungen, denen das Editionsportal Quellentexte für die didaktische Nutzung zur Verfügung stellt. Für das Kennenlernen des Thüringer handschriftlichen Erbes und des dafür notwendigen Erlernens altdeutscher Schrift ist die Einrichtung eines gesonderten Zugangs (insbesondere für SchülerInnen) vorgesehen. Dort werden paläographische Kenntnisse durch die Bereitstellung von Beispieldokumenten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und durch die automatische Korrektur von Transkriptionseingaben vermittelt. Durch die Implementierung eines Paläographietools und einer beispielreichen Dokumentation der Transkriptions- und Auszeichnungsprinzipien werden SchülerInnen und Studierende zudem an die editionswissenschaftliche Erstellung kritischer wissenschaftlicher Editionen in Theorie und Praxis herangeführt.

Da das Portal öffentlich zugänglich sein wird, ist auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, das Angebot zu nutzen und die landesidentitätsstiftenden Handschriften Thüringer Geschichte in aufbereiteter Form kennenzulernen. Archiven, Bibliotheken, Museen, Gedenkstätten sowie landesgeschichtlich interessierten Vereinen wird es ermöglicht, eigenes ediertes und digitalisiertes Material einzubringen.

Projektausführende

        Ehemalige:

Projektpartner

Forschungsdaten:

Die Work-in-Progress-Forschungsdaten in Bezug auf das ThULB-Basisformat finden sich auf GitHub: https://github.com/mprell/Editionsportal-Thueringen