19. und 20. Jahrhundert
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Lehrstuhl für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

Lehrstuhlinhaber

N.N.

Lehrstuhlvertretung:

Der Lehrstuhl wird im Sommersemester 2017 von Herrn Dr. phil. habil Sebastian Haumann vertreten.

Feriensprechstunde

19.07.2017 
14-16 Uhr
 
09.08.2017 14-16 Uhr
 
30.08.2017
14-16 Uhr
 
27.09.2017
14-16 Uhr
 

Bitte melden Sie sich für die Sprechstundentermin per E-Mail unter an.

Mitarbeiter

Sekretariat

Anke Munzert
Historisches Institut
Fürstengraben 13
Raum 204
07743 Jena

Tel.: +49 (0)3641 - 9 44 430
Fax: +49 (0)3641 - 9 44 432
E-Mail:

Emeritus

Prof. Dr. Hans-Werner Hahn

Die wesentlichen Grundlagen unserer Gegenwart wurzeln im Zeitraum von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg. In dieser Epoche, die häufig als das "lange" 19. Jahrhundert bezeichnet wird, entstehen große Industrien und die Fabrikarbeit (Industrialisierung), löst die Wissenschaft die Religion in der Erklärung der Welt ab (Säkularisierung), setzt sich der moderne Staat mit seiner Verwaltung durch (Staatsbildung und Bürokratisierung), und wachsende Bevölkerungskreise fordern politische Mitwirkung (Demokratisierung). Auch die wichtigen geistigen Strömungen, wie Nationalismus, Sozialismus, politischer Katholizismus, Darwinismus und Rassismus, Materialismus, Pazifismus und Frauenemanzipation haben ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert.


Für Deutschland ist es eine ereignisreiche Zeit: Unter dem Einfluß der Französischen Revolution und der napoleonischen Expansion geht 1806 das Alte Reich unter. Nach den Befreiungskriegen wird auf dem Wiener Kongreß 1814/15 der Deutsche Bund aus 41 Einzelstaaten gegründet. Die Unterdrückung nationaler und demokratischer Erwartungen in der Restaurationszeit, politische Gärung und soziale Frage seit der Französischen Julirevolution 1830 bilden die Grundlage der schließlich gescheiterten Revolution von 1848/49. Während politische Mitspracheforderungen wieder unterdrückt werden, beginnt gleichzeitig in Deutschland die Hochindustrialisierung. Die Schlacht bei Königgrätz 1866 entscheidet schließlich den Kampf zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland und schafft die Grundlage für die Gründung des Reiches 1871 nach dem Sieg über Frankreich. Dieses von Bismarck geschaffene Reich ist geprägt durch die preußische Vorherrschaft, die Dominanz adliger Führungsschichten, die Militarisierung der Gesellschaft, aber auch wirtschaftlichen Erfolgen und dem Aufstieg der Arbeiterbewegung. Sein Anspruch auf Weltmachtstellung endet schließlich im 1. Weltkrieg. Diese "Urkatastrophe" unseres Jahrhunderts findet ihren Höhepunkt im Kriegseintritt der USA und der russischen Oktoberrevolution. Damit treten die beiden Mächte auf, die das weitere 20.Jahrhundert prägen werden.

Dieser Weg Deutschlands wurde maßgeblich durch den als "Revolution von oben" bezeichneten Anteil des Staates geprägt. Ob damals in Deutschland durch die Beibehaltung vorindustrieller Traditionen im Herrschaftssystem bei gleichzeitiger Fortschrittlichkeit in Wirtschaft und Gesellschaft die Vorentscheidungen für den Nationalsozialismus gelegt wurden, ist nach wie vor umstritten. Denn nicht nur die Diktatur, sondern auch die deutsche Demokratie hat ihre Traditionen in der Zeit vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende des Kaiserreichs. Ist die Geschichte des 19. Jahrhunderts doch die Geschichte der Entstehung der modernen Welt.